
Der Holzbau hat sich in Deutschland längst vom romantischen Einfamilienhaus am Waldrand zu einer ernsthaften Option für urbane Bauaufgaben entwickelt. Mehrgeschossige Wohngebäude, Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude oder Aufstockungen entstehen zunehmend in Holz- oder Holz-Hybridbauweise. Und doch zeigt ein Blick auf Deutschland: Der Holzbau ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Besonders stark ist der Holzbau traditionell in Süddeutschland vertreten. Vor allem Baden-Württemberg gilt seit Jahren als Vorreiter. Das Land erreicht bundesweit regelmäßig eine hohe Holzbauquote und treibt den Holzbau mit einer eigenen Holzbau-Offensive aktiv voran. Auch Bayern gehört zu den führenden Regionen. Dort wurden zuletzt rund 27 Prozent der Wohngebäude überwiegend in Holzbauweise errichtet. Bei Nichtwohngebäuden liegt die Quote sogar noch höher.
Die Gründe dafür liegen nicht nur in aktuellen Förderungen, sondern tief in der Geschichte dieser Regionen. In den Alpenregionen und im süddeutschen Raum war Holz seit Jahrhunderten ein zentraler Baustoff. Das handwerkliche Wissen wurde über Generationen weitergegeben. Zimmererbetriebe, Sägewerke und Holzbauunternehmen sind dort oft eng mit der regionalen Wirtschaft verbunden. Dadurch existiert bis heute eine hohe Akzeptanz für den Baustoff Holz – sowohl bei Handwerkern als auch bei Bauherren und Kommunen.
Ganz anders sieht es vielerorts im Norden und Westen Deutschlands aus. In Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen liegt die Holzbauquote deutlich niedriger. Niedersachsen erreicht bei Wohngebäuden beispielsweise nur etwa 12 bis 13 Prozent Holzbauanteil. Historisch dominierte dort eher der massive Stein- und Ziegelbau. Gleichzeitig fehlen vielerorts noch regionale Netzwerke und politische Strategien, die den Holzbau systematisch fördern.
Doch gerade diese Regionen könnten künftig besonders stark vom Holzbau profitieren. Denn der Druck auf die Städte wächst. Wohnraum muss schneller entstehen, Bestandsgebäude müssen energetisch modernisiert werden und die Kommunen suchen nach Wegen, ihre Klimabilanz zu verbessern, ohne ihre Haushalte dauerhaft zu überlasten.
Genau hier zeigt der Holzbau seine Stärke.

Vor allem bei Nachverdichtungen und Aufstockungen spielt Holz seine konstruktiven Eigenschaften aus. Viele Städte stehen vor dem Problem, dass kaum noch freie Bauflächen vorhanden sind. Gleichzeitig bieten zahlreiche Bestandsgebäude Potenzial für zusätzliche Stockwerke oder Erweiterungen. Mit klassischen Massivbaustoffen stoßen solche Projekte jedoch häufig an statische Grenzen. Holz besitzt ein gutes Verhältnis von Tragfähigkeit zu Gewicht. Dadurch lassen sich zusätzliche Geschosse je nach bestehender Gebäudestruktur und Planung realisieren, ohne die bestehende Gebäudestruktur in gleichem Umfang verstärken zu müssen.
Für Kommunen ist das ein wichtiger Faktor. Nachverdichtung bedeutet nicht nur zusätzlichen Wohnraum, sondern kann auch eine effizientere Nutzung vorhandener Infrastruktur ermöglichen. Straßen, Kanalnetze, Schulen oder Nahverkehrssysteme sind bereits vorhanden. Neue Wohngebiete „auf der grünen Wiese“ können dagegen langfristig zusätzliche Kosten für Erschließung und Infrastruktur verursachen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in den kommenden Jahren immer wichtiger werden dürfte: das Stadtklima.

Gerade in Zeiten zunehmender Hitzebelastung in Innenstädten gewinnt dieser Gedanke an Bedeutung. Städte suchen nach Möglichkeiten, sogenannte Hitzeinseln zu reduzieren und gleichzeitig Aufenthaltsqualität zu schaffen. Holzbau wird dabei häufig mit Grünflächen, Dachbegrünungen und Maßnahmen zur klimaangepassten Stadtplanung kombiniert. So können Quartiere entstehen, die neben ihrer energetischen Auslegung auch auf Aufenthaltsqualität und sommerlichen Wärmeschutz ausgerichtet sind.
Auch unter Umweltgesichtspunkten wird der Holzbau zunehmend betrachtet, wobei die tatsächlichen Auswirkungen vom konkreten Gebäude, den eingesetzten Produkten und dem gesamten Lebenszyklus abhängen.
Der Bausektor ist für einen erheblichen Anteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allein die Herstellung von Beton und Stahl ist mit hohen Emissionen verbunden. Holzprodukte enthalten während ihrer Nutzungsdauer den im Holz gebundenen biogenen Kohlenstoff. Gleichzeitig können sie bei entsprechender Konstruktion andere, emissionsintensive Baustoffe teilweise ersetzen. Welche Auswirkungen dies auf die Gesamtbilanz eines Gebäudes hat, hängt jedoch von der konkreten Konstruktion, den verwendeten Materialien und der Betrachtung des gesamten Lebenszyklus ab.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Einfamilienhäuser. In vielen Städten entstehen inzwischen Schulen, Verwaltungsgebäude oder mehrgeschossige Wohnanlagen in Holz- oder Hybridbauweise. Besonders Stuttgart, Freiburg im Breisgau oder Heilbronn gelten inzwischen als wichtige Impulsgeber moderner urbaner Holzarchitektur. Baden-Württemberg hat sich zudem ausdrücklich mit dem Thema Bauen mit Holz als Modellregion für entsprechende Entwicklungen positioniert.

Hinzu kommt: Holzbau kann regionale Wirtschaftskreisläufe stärken. Holz stammt häufig aus regionaler oder nationaler Forstwirtschaft, wird regional verarbeitet und durch lokale Handwerksbetriebe verbaut. Dadurch kann ein größerer Teil der Wertschöpfung in der Region verbleiben. Gerade ländliche Räume können davon profitieren.
Dass der Holzbau politisch zunehmend unterstützt wird, zeigt sich besonders in Süddeutschland. Baden-Württemberg investiert seit Jahren gezielt in Förderprogramme, Bildungsangebote und Forschungsprojekte rund um den Holzbau. Kommunen werden dort aktiv unterstützt, innovative Holzbauprojekte umzusetzen. Auch in Bayern wurde der Holzbau lange intensiv gefördert.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Der Holzbau braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen. Förderprogramme verändern sich regelmäßig, manche laufen aus oder werden neu strukturiert. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen, Planer und Bauwirtschaft langfristige Strategien entwickeln und den Holzbau nicht als kurzfristigen Trend betrachten.
Denn vieles spricht dafür, dass der Holzbau erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Die Kombination aus Klimaschutz, Wohnraummangel, Urbanisierung und steigenden Anforderungen an eine ressourcenschonende Stadtentwicklung wird den Druck auf die Bauwirtschaft weiter erhöhen. Städte brauchen Lösungen, die schnell, wirtschaftlich und unter den jeweiligen technischen, ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen funktionieren. Genau deshalb gewinnt Holz als Baustoff zunehmend strategische Bedeutung.
Dabei darf man einen wichtigen Akteur nicht vergessen: den Holzbau-Fachhandel.
Denn moderner Holzbau funktioniert nur mit funktionierenden Lieferketten, hoher Materialverfügbarkeit und technischem Know-how. Gerade im urbanen Holzbau werden die Anforderungen immer komplexer – von Brandschutz über Schallschutz bis hin zu hybriden Konstruktionen und industrieller Vorfertigung. Der spezialisierte Holzhandel wird dadurch immer stärker zum Projektpartner.
Viele Holzbau-Fachhändler unterstützen bereits heute nicht nur bei der Materialbeschaffung, sondern auch in frühen Planungsphasen. Sie vermitteln technische Lösungen, koordinieren Produktverfügbarkeiten und bringen Hersteller, Planer und ausführende Betriebe zusammen. Für Kommunen, Architekten und Holzbauunternehmen kann dieser Wissenstransfer zunehmend wertvoll sein.
Am Ende geht es beim Holzbau längst nicht mehr nur um einen Baustoff. Es geht um die Frage, wie deutsche Städte künftig aussehen sollen. Lauter, heißer und teurer? Oder mit mehr Aufenthaltsqualität und vielfältigen städtebaulichen Lösungen?
Der Holzbau allein wird nicht alle Probleme lösen. Aber er kann Antworten auf verschiedene Herausforderungen bieten – unter anderem bei Nachverdichtung, Aufstockung, Vorfertigung und der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Welche Vorteile sich im konkreten Projekt ergeben, hängt von Planung, Konstruktion, Standort und den jeweiligen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Und genau deshalb kann der Holzbau in der Stadtplanung der kommenden Jahrzehnte eine zunehmend wichtige Rolle spielen.